Wer noch nie am Tegernsee war, hat bisher etwas verpasst. Aber hat dafür die Möglichkeit, beim ersten Mal die Magie dieser Landschaft ganz jungfräulich in sich aufzusaugen: Die Berge – Wallberg, Hirschberg, Fockenstein, Leonhardstein und wie die Gipfel alle heißen. Der blaue See, der mit immerhin 20km Umfang zu den größeren Gewässern Bayerns gehört. Und was wäre die Landschaft ohne die Ortschaften, die Bewohner und deren Tradition! Wahrlich, an Tradition mangelt es in der Region rund um den Tegernsee nicht: Verwurzelt ist das dortige Leben noch mit dem unserer Vorväter und Vorvorväter, als Massenproduktion, Globalisierung und das Internet noch nicht im Duden zu finden waren. Hier zählt noch die Handarbeit – und die damit verbundene Qualität!

Seit ich in München wohne, war ich unzählige Male am Tegernsee. Im Sommer und im Winter. Jede Jahreszeit dort kann wunderschön sein. Neulich habe ich bei Twitter gelesen, wie blöd die Münchner doch seien – halten ihre Stadt für die lebenswerteste in Deutschland, und sobald am Freitagnachmittag der Laptop zugeklappt wird, fliehen sie aus München in die Berge. Haha! Der gute Twitter-Kommentator hat es offenbar noch nicht erlebt. München ist großartig, aber die Ausflüge in die Voralpen – insb. zum Tegernsee – sind wie Urlaub. Wenn sich im Sommer die Massen an den Isarauen tümmeln (was ich genauso gerne mache), bieten die Berge eine erfrischende und erholsame Auszeit. Dafür stellen sich andere für ihren Sommer- oder Winterurlaub in der Alpenregion stundenlang in den Stau auf die A8 oder A9. Und wir Münchner fahren in 45 Minuten zum Tegernsee. Grandios!

Nun war es so, dass uns vor ein paar Wochen die Einladung vom Tourismusverband Tegernsee zu einem Genuss-Wochenende mit zwei Übernachtungen erreichte. Das Programm war wirklich ausgeklügelt, und jeder, dem ich das Programm zeigte, bekam große Augen. Das tolle war, dass ich die Orte der kulinarischen Programmpunkte noch gar nicht kannte – obwohl ich schon so oft am Tegernsee war! Daher will ich Euch hier einen kurzen Eindruck vermitteln: Vielleicht liebt ihr den Tegernsee genauso sehr wie ich, und vielleicht findet ihr in den folgenden Tipps auch die eine oder andere Anregung für Euren nächsten Besuch. Viel Spaß bei diesem etwas längeren Bericht (in zwei Teilen)!

Die Naturkäserei Tegernseer Land

Neues vom Tegernsee | Madame Cuisine Rezept

Einer der Orte, die wir besuchten, ist die Naturkäserei Tegernseer Land. Die Käserei liegt etwas südlich vom Tegernsee, wenn man Rottach-Egern in Richtung Kreuth verlässt. Täglich liefern die regionalen Landwirte (der extra gegründeten Genossenschaft der Naturkäserei) ihre frische Heumilch, die dann direkt in der Käseproduktion eingesetzt wird. Heumilch, das ist Milch von Kühen, die auf den Weideflächen frisches Gras, und im Winter Heu essen. Auf Silage (eine Art Sauerkraut für Kühe) wird vollständig verzichtet.

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Zur Käserei gehört eine Gaststube und die Sonnenterrasse, wo man den Käse direkt zu einem Glas Bier oder Wein (vermutlich auch Wasser) probieren kann. Natürlich gibt es neben der Käseplatte auch warme Mahlzeiten. Außerdem gibt es einen kleinen Käserei-Laden, und eine Schaukäserei mit angebotenen Führungen. Übrigens bekommt man die Käsespezialitäten vom Tegernsee auch in München und Umgebung: Auf den Wochenmärkten von Riem, Grünwald und Krailling findet ihr den Marktwagen mit Produkten der Naturkäserei.

Eine geführte Kräuterwanderung

Wenn man vor oder nach dem Besuch in der Naturkäserei etwas Zeit hat und Lust auf einen ausgiebigen Spaziergang, dann bietet sich eine Kräuterwanderung an. Allerdings denkt man am besten frühzeitig an diese Option, denn die Führungen von Kräuterpädagogin Claudia Bernhardt sind beliebt. Und das, wie wir erfahren konnten, aus gutem Grund: Denn Claudia hatte auf dem ca. 4 km langen Spaziergang entlang der Weißach so viele Kräuter gefunden, und dazu immer die wichtigsten Informationen, Anekdoten und Geschichten parat, dass die Zeit wie im Fluge verging: Seitdem kenne ich nicht nur Gänseblümchen, Löwenzahn und Brennnesseln, sondern auch Giersch (Gamsfuß), Frauenmantel, Gundermann, Spitzwegerich, Erzengelwurz, klebrigen Salbei, Breitwegerich, Rossminze… um nur einige zu nennen. Wahnsinn, was alles in unseren Wäldern wächst, und wie viel davon essbar oder zumindest nützlich ist.

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Zur Stärkung hatte Claudia selbst gebackenes Brot mitgebracht, natürlich gebacken mit eigens gepflückten Kräutern. Außerdem sollten wir Butter selbst machen. Wie das geht? Man nimmt Schlagsahne (Rahm) und gießt diese in einen Behälter mit verschraubbarem Deckel. Dann geht das Schütteln los: Zuerst entsteht aus der Sahne eine Schlagsahne, und nach fortwährendem kräftigen Schütteln (mind. 5 Minuten) wird Butter daraus – und als Nebenprodukt Buttermilch, die man natürlich trinken kann. Die Butter mit Kräutern und Blüten verfeinert, auf das Brot gestrichen, und dazu einen Becher Wasser gemischt mit Claudias Kräutersirup – man fühlt sich der Natur so nah! Neues vom Tegernsee | Madame Cuisine Rezept

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Die Fischzucht in Wildbad Kreuth

Fährt man von Rottach-Egern aus der B307 weiter in Richtung Süden, kommt man zuerst an der Ortschaft Kreuth vorbei, und ist nach etwa 6 km weiterer Fahrt in Wildbad Kreuth. Vom Parkplatz neben der Bundesstraße kann man vielfältige Wanderungen machen, und auch einen Abstecher zur Herzoglichen Fischzucht von Wildbad Kreuth. Die Fischzucht bietet eine wunderbare Einkehrmöglichkeit: Bei schönem Wetter sitzen die Gäste bevorzugt auf den Terrassen, umgeben von Bergen, dem Wald und den Fischbecken.

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Die Herzogliche Fischzucht ist die älteste in ganz Bayern und ist, wie auch das ehemalige Kurbad von Kreuth, im Besitz der Herzogin Helene in Bayern, vom Hause der Wittelsbacher. Die Fischzucht legt großen Wert auf nachhaltige Produktion und schonenden Umgang mit den Fischen und der Natur. Keine medizinischen Ergänzungen im Futter, und ein möglichst angenehmes Leben in der Aufzucht unter natürlichen Bedingungen – das schmeckt man dann auch!

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Aufgezogen werden im Wesentlichen Forelle und Saibling. Durch unterschiedliche Aufzucht und Verarbeitung bietet die Fischzucht geräucherten Saibling, geräucherte Forelle, aber auch geräucherte oder gebeizte Lachsforelle.

Und so ein frisches Fischfilet mit Zitrone, Meerrettich, Zwiebeln und einer Scheibe Brot ist wirklich etwas feines!

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Edelbrände vom Tegernsee mit Auszeichnung

Nun gibt es am Tegernsee nicht nur Käse, Kräuter und Fisch. Nein! Hier werden auch die besten Edelbrände und Liköre von ganz Bayern hergestellt, und zwar mit Auszeichnung. Zuerst besuchten wir Anton Huber und seine Gattin von der Brennerei Fischerweber in seinem Haus in Rottach-Egern. Was für ein schönes Haus, an einem der schönsten Ecken am Tegernsee gelegen! Wer eine Unterkunft sucht, sollte sich auch die Zimmer und Apartments von Fischerweber anschauen. Und was für leckere Schnäpse der liebe Herr Huber uns servierte. Hicks! Soeben hat die Familie Huber übrigens den Bayerischen Staatsehrenpreis für ausgezeichnete Spitzenprodukte verliehen bekommen. Dem kann ich mich nur anschließen.

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Es gibt noch eine zweite ausgezeichnete Brennerei am Tegernsee, die Edelbrand Destillerie Liedschreiber. Das Anwesen der Familie liegt im Ortsteil Schafstatt etwas oberhalb von Gmund, mit einem großartigen Ausblick in die Alpen. Auch die Familie Liedschreiber wurde 2016 mit dem Bayerischen Staatsehrenpreis ausgezeichnet – und auch hiervon durfte ich mich überzeugen. Ich bin ja wirklich kein großer Schnaps-Trinker, aber was die Liedschreibers in ihrer Destillerie zaubern, ist wirklich hochprozentig köstlich! Vor allem der Heumilch-Likör hat es mir angetan. Mmmhhh!

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→ Zum zweiten Teil des Berichts: Noch mehr Neues vom Tegernsee

Im zweiten Teil berichte ich über zwei Wirtshäuser, eine Sushi-Bar und eines der besten Hotels der Region.